Kleine ganz groß – Wie Kinder lernen, sich alleine zu beschäftigen

Kids_Attitude_Erzieher2018

 

Von Kindern, die sich alleine beschäftigen können, träumen die meisten Eltern. Gleichzeitig plagt manche das schlechte Gewissen, den Kleinen nicht genug Aufmerksamkeit zu widmen. Dabei schult selbständiges Spielen Fantasievermögen und Konzentrationsfähigkeit. Barbara Burkhardt, Leiterin der Sodexo-Kindertagesstätte „Villa SanIgel“ im Bundeswehrkrankenhaus Ulm, hat fünf Tipps für Eltern, wie sich die Autonomie von Kindern fördern lässt.

 

1. Schon Babys einfach mal für sich sein lassen

 

Eltern kennen das: Sobald das Baby die Augen aufschlägt, sind Mama oder Papa schon da, sprechen mit ihm, schwenken die Rassel. „Geben Sie Ihrem Baby nach dem Aufwachen Zeit, sich erst einmal mit sich selbst zu befassen, während Sie als vertraute Personen in der Nähe sind. Babys spielen dann in sich versunken mit ihren Händchen oder Füßchen, beschäftigen sich mit Spielsachen, die in Sicht- oder Greifweite sind. Diese frühkindliche Phase, in der Kinder selbst ihr Interesse auf etwas richten können, ist enorm wichtig für die Entwicklung und fördert die Konzentrationsfähigkeit“, weiß Pädagogin Burkhardt. Werden Kinder stattdessen immer und sofort von den Eltern bespaßt, kann das dazu beitragen, dass die Kleinen sich später schlechter auf eine Sache konzentrieren können und sich schneller langweilen. „Zu den Grundwerten, die wir in den Sodexo-Kitas leben, gehört auch die Achtsamkeit: Wir ermöglichen es Kindern, ihren Körper bewusst zu entdecken und einzusetzen. Entscheidend dafür ist, ein Umfeld zu schaffen, in dem das Kind selbständig handeln und seine Kreativität frei ausleben kann“, so Burkhardt.

 

2. Raum für Fantasie statt Reizüberflutung

 

Kinder wollen die Welt erkunden. Dafür brauchen sie ein sicheres Umfeld, das ihnen vielfältige Reize bietet. Ein Tipp: „Einfache Gegenstände wie Bauklötze oder Becher zum Stapeln sind gerade für die Jüngsten geeignet. Die Kinder werden nicht mit Reizen überflutet und können sich ohne fremde Hilfe mit dem Spielzeug beschäftigen. Naturmaterialien wie Blätter, Steine oder Holz laden zum sensorischen und haptischen Erkunden ein und fördern die Fantasie. In den Sodexo-Kitas trägt gerade das bewusste Erleben der Natur dazu bei, dass Kinder Dinge ausprobieren und ihre Kreativität entfalten können.“

 

3. Starke Bindungen geben Sicherheit

 

Um alleine spielen zu können, brauchen Kinder das Gefühl einer sicheren Bindung zu ihren Eltern. Burkhardt erklärt: „Ab etwa einem Jahr mögen Kinder es, im selben Raum für sich zu spielen, in dem Mama oder Papa gerade mit etwas anderem beschäftigt sind. Mit älteren Kindern können Sie gemeinsam ein Spiel anfangen, das die Kleinen dann für sich weiterspielen – zum Beispiel einen Turm bauen. Schritt für Schritt können Sie dann auch Phasen einbauen, in denen Sie den Raum verlassen.“ Wenn das Kind lernt, dass die kurzzeitige Trennung von den Eltern keine negativen Folgen hat, wird es nach und nach immer selbständiger. Wichtig ist, in Sichtkontakt oder Hörweite zu bleiben. So kann das Kind sich jederzeit an die Eltern wenden. Um sich auf eine Tätigkeit zu konzentrieren, brauchen Kinder aber Ruhe – Eltern sollten den Nachwuchs also beim Spielen nicht ständig unterbrechen oder sich einmischen. Wenn dem Kind etwas runterfällt oder nicht gleich gelingt, sollten Eltern ihm Zeit geben, sich weiter zu beschäftigen oder neue Spielideen zu entwickeln. Auch feste Tagesstrukturen mit regelmäßigen Zeiten für das Alleine-Spielen können Kindern in diesem Lernprozess unterstützen.

 

4. Klare Regeln statt schlechtem Gewissen

 

Kinder brauchen für ihre Entwicklung das gemeinsame Spielen mit den Eltern ebenso wie Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen. „Klare Ansagen der Eltern helfen den Kindern dabei, diese beiden Bereiche zu akzeptieren. Auch die Ruhepause für Mama oder Papa ist kein Grund für ein schlechtes Gewissen. Kinder verstehen schon ab einem Alter von etwa drei Jahren Ansagen wie: „Ich möchte jetzt noch mein Brötchen aufessen, dann können wir spielen“. Oder: „Jetzt malen wir noch zusammen das Bild aus, dann muss Mama aber wieder arbeiten und du kannst mit deinen Holztieren spielen“, sagt Burkhardt.

 

5. Kein Druck

 

Kinder lernen am besten in einem vertrauten Umfeld und in ihrem eigenen Tempo, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Kindern unter einem Jahr gelingt das in der Regel höchstens für eine Dauer von maximal zehn Minuten. Bei Ein- bis Dreijährigen können es bis zu 30 Minuten sein. Allein spielen heißt aber nicht gleich allein sein können – erst ab dem Grundschulalter können Kinder allein in ihrem Zimmer für sich spielen. „In den Kitas von Sodexo setzen wir auf ein pädagogisches Umfeld, das Kinder inspiriert, ihre Umwelt Schritt für Schritt zu entdecken“, so Burkhardt.

 

Die Erziehungsexpertin:

Barbara Burkhardt (48) leitet die Kindertagesstätte im Bundeswehrkrankenhaus Ulm. Unter der Marke „Kids Attitude“ wurde im September 2015 die erste Sodexo-Kita in Deutschland eröffnet: Die Villa Sanlgel bietet 50 Betreuungsplätze für die Kinder der Mitarbeiter des Bundeswehrkrankenhauses in Ulm sowie den umliegenden Geschäftsstellen. Im September 2017 eröffnet die zweite Sodexo-Kindertagesstätte in München: Die Krippe Kids Attitude am Edinburghplatz bietet Platz für 36 Kleinkinder von ab 10 Wochen bis 3 Jahren.

 

Erziehungsexpertin